Ein Freiluft-Gottesdienst für das Tierwohl

Erstellt am 11.09.2021

Von Bernhard Laß

Iserlohn – Hegenscheid  Es wäre auch so ein außergewöhnlicher Gottesdienst geworden, doch an diesem Morgen schuf ein angekündigtes Unwetter seine Dramatik dazu. Tief hängen die dunklen Wolken, als wollten sie gleich an die Spitzen der Sauerländer Berge stoßen und ihre nasse Fracht über das Land ergießen. Hat es vor wenigen Stunden noch stark geregnet und das Team um Pfr. Volker Horst und die Helferinnen und Helfer auf dem Pferdeschutzhof mussten darum bangen, ob der Freiluft-Gottesdienst überhaupt stattfinden kann, so wurde ihre Zuversicht belohnt. Kabel sind verlegt, der Feldaltar ist aufgebaut, Schutzdächer in Form von einigen Pavillons über ihm und der Elektroorgel errichtet und jede Menge Plastikstühle herbeigeschafft. Wenn auch verhalten und mit einem Blick nach oben, der mehr dem Wetter, denn dem Gottesdienst gebührt, versammeln sich nach und nach die gut 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Abstand und einigen Hunden auf der nassen, frisch gemähten und gemulchten Pferdekoppel, nachdem sie sich haben registrieren lassen.  

Zum zweiten Mal findet der Gottesdienst für Mensch und Tier auf dem Pferdeschutzhof auf dem Hegenscheid in Iserlohn statt. Ein Ort, fast wie eine Arche, an dem Tiere, vor allem Pferde, eine Zuflucht finden, wenn sie keiner mehr haben will, haben darf oder haben kann. Manchmal ist es Rettung aus schlechter Haltung oder die Haltung ist aus persönlichen oder finanziellen Gründen den Besitzern nicht mehr möglich. Es kann aber auch einfach ein Handicap oder das Alter sein, warum die Tiere weg müssen und für die „Nutzer“ keinen Wert mehr haben. Doch hier, beim Pferdeschutz – Iserlohn e.V. wird die Wertschätzung für die Tiere groß geschrieben. „Gott hat uns die Tiere anvertraut, nicht ausgeliefert“, ist die Arbeit des Vereins überschrieben, der zur Zeit sieben Pferde, die als Herde auf der Weide stehen, versorgt und pflegt, neben den anderen Tieren wie Schaf, Hühner, Kaninchen, Ente, Hunde, Katzen und zwei Shetlandponys, Schneeflöckchen und Molly, die auch die Gäste des Gottesdienstes kurz begrüßen. Mit viel Liebe und Engagement kümmert sich ein Team von ehrenamtlichen Helferinnen um die Vorsitzende des Vereins Tanja Raffloer, die auch den Hof betreibt, um die Tiere. Finanziell aufgebaut ist der Verein auf Spenden, die in Form von Sach- und Geldmitteln eingehen und eingeworben werden. Gefragt nach den Vereinsstrukturen sagt Marie Sperding, die stellvertretende Vorsitzende: „Wir haben 25 Vereinsmittglieder und davon gehören so ca. 10 zu den eher aktiven. Wir suchen immer Freiwillige, die Freude an der Versorgung und Pflege der Pferde haben und gerne mit anpacken. Die sind uns herzlich willkommen. Und Pferdehaltung ist auch teuer und so benötigen wir immer wieder Spenden.“

In Zeiten, in denen es um Tierhaltungsklassen von eins bis vier geht, muss für den Pferdeschutz-Iserlohn wohl die Klasse fünf eingeführt werden, denn hier geht es ausschließlich um ein Leben in Würde und um echtes Tierwohl.

Die Koppel und der Hof, mit seinem Panoramablick weit in das Sauerland hinein, ist ein Ort, an dem man die Wahrnehmung der gesamten Schöpfung neu einüben kann, weiß auch Pfr. Volker Horst, der in seiner Predigt die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung und ihre Bedeutung für uns Menschen aufgreift und an Beispielen wie der Blumen auf einem Blühstreifen entlang eines Ackers oder der Beziehung zu einem Tier wie einem Hund beschreibt. „HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“, heißt es im Ps. 104 in 23 Vers. Ein Gottesdienst an diesem Ort, der all dies uns Menschen vor Augen führt,  kann die Wahrnehmung schärfen, Achtung und Respekt fördern und zu einer positiven Haltung allem Leben gegenüber ermutigen und helfen bewusster mit der Schöpfung Gottes umzugehen. Denn das tut Not, angesichts der Bedrohung und Gefährdung der gesamten Schöpfung durch den Klimawandel. Wälder seufzen vor Durst oder werden Opfer von riesigen Waldbränden, während andere Teile der Erde in Fluten umzukommen drohen und versinken. Ein enormes Artensterben breitet sich aus und nimmt es zu, ist das Zusammenspiel der Natur gefährdet und jegliches Leben wird zerstört. Wir erleben die Folgen direkt vor unserer Haustüre. Wo immer die Natur leidet, trifft es auch uns Menschen. Ein Szenario, das uns Menschen vor Erschrecken fast erstarren und hoffnungslos werden lässt.

Da ist es gut auf die Zusage Gottes zu hören und sich zu erinnern und vergewissern: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg führt.“ Mt. 12,20

„Gott gibt nicht auf was angeschlagen ist, nicht die Natur, nicht die Tiere und auch nicht uns Menschen. Und weil er barmherzig ist und die Erde nicht aufgibt, sollten wir es auch nicht tun. Auch wenn wir uns eingestehen müssen, dass wir die Erde nicht retten können, so heißt das nicht, dass wir uns damit abfinden, sondern auf sein Erbarmen und seine Kraft setzen, mit der er uns stärkt und befähigt uns für seine Schöpfung einzusetzen“, so Pfr. Horst. Und wir können das im Alltag nach dem Prinzip der Arbeit auf dem Pferdehof leben: das Verletzte sehen, sich darum kümmern und Fürsorge übernehmen. Denn die Schöpfung ist uns nur geliehen und anvertraut. „Nimm wahr wie kostbar und schön alles geschaffen ist, nimm alles an, aber geh dankbar damit um und bewahre es!“, umschreibt Pfr. Horst die Fähigkeit, die uns gegeben ist.

Mit einem Segen eigens für die Tiere und einem für die Menschen sandte Pfr. Horst die Gemeinde, die im Anschluss noch die Möglichkeit bekam, sich den Hof anzusehen und die Herde auf der Koppel zu besuchen. Dabei standen die Mitarbeiterinnen vom Pferdeschutz Rede und Antwort.

Wer sich über die Arbeit des Pferdeschutz-Iserlohn e.V. informieren möchte, bekommt auf der Internetseite des Vereins einen Überblick und auch Kontaktdaten, um sich auf dem Hof anzumelden. www.pferdeschutz-iserlohn.de

 

 

Fotos Bernhard Laß

01 Ein Freiluft-Gottesdienst wird vorbereitet

02 Einlass-Corona-Registrierung und Liedblattverteilung

03 Schneeflöckchen und Molly mit Frau Tanja Raffloer, Pfr. Volker Horst, Frau Anne Herzig-Buder und Herr Johannes Schulte begrüßen die Gemeinde

04 Frau Tanja Raffloer die Vereinsvorsitzende und Hofbesitzerin des Pferdeschutzes

05 Schneeflöckchen und Molly mit Frau Raffloer und Pfr. Horst

06 Feldaltar und Gottesdienstgemeinde

07 Trotz schlechtem Wetter eine große Gottesdienstgemeinde

08 Johannes Schulte bei der Begrüßung

09 Anne Herzig-Buder als Vorsängerin

10 Tom Köhler unser Organist

11 Pfr. Volker Horst bei der Predigt

12 Mensch und Hund andächtig vereint

13 gemeinsames Fürbittengebet Pfr. Horst, Frau Kluge, Frau Raffloer, Herr und Frau Reiff, Herr Schulte

14 Frau Raffloer gibt eine Einführung in die Arbeit des Pferdeschutzes

15 Regen dräut die ganze Zeit, doch er hält sich zurück!

16 Pfr. Volker Horst spendet Tier und Mensch den Segen

17 Heute lacht uns nur die Sonnenblume

18 Mensch und Tier auf dem Weg zur Kollektengabe

19 mich wird doch jemand mitnehmen

20 Tierwohl ist Aufgabe eines jeden Menschen

21 Das Logo des Pferdeschutzes