Lebensmittel retten

Erstellt am 20.10.2019

Von Bernhard Laß

„Und sie sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, sieben Körbe voll“ (Mat. 15,37b)
Doch was nach der Speisung der Viertausend im Matthäusevangelium übrig geblieben war, wurde ganz bestimmt nicht weggeworfen.

„Es ist ein sehr sehr schönes Gefühl, wenn Sie 300 Möhren das Leben gerettet haben“, sagt Marleen Krabbbenhöft, obwohl sie weiß, dass diese Möhren auch als Pflanze nicht mehr leben. Doch sie sind ein Mittel zum Leben und für den Müll, in dem sie ansonsten nach Markt-schluss gelandet wäre viel zu schade. Die offizielle Botschafterin der Organisation ‚foodsharing’ ist am Welternährungstag zum Vortrags- und Informationsabend in die Christuskirche am Roden in Iserlohn im Rahmen der Veranstaltungsreihe: ‚Gerechtigkeit leben’ gekommen, um für die Rettung von Lebensmitteln zu werben.

Marleen Krabbenhöft beim Vortrag

Der foodsharing e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, genießbare Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten, zu „fairteilen“ und eine Plattform zur Weitergabe von privaten ungenutzten Lebensmittelvorräten zu bieten.

Täglich werden hunderte Kilos an Obst und Gemüse, aber auch andere Lebensmittel u. a. aus den Kühlregalen, die nicht mehr den Ansprüchen genügen oder deren Abtransport zu auf-wendig ist, von Supermärkten, auf Wochenmärkten und in wenigen Wochen auch wieder auf Weihnachtsmärkten entsorgt und in den Müll geworfen. Allein in Deutschland sind es ca. 11 Mill. Tonnen Lebensmittel pro Jahr, was ca. 82 kg pro Person ausmacht, die ungenutzt auch in Privathaushalten in den Müll geworfen werden.

Der Kreis der TeilnehmerInnen

Das zu verhindern, zumindest die Menge zu vermindern, haben sich die ehrenamtlichen Lebensmittelretter*innen ins Herz geschrieben und eine Struktur und ein Netzwerk zur Rettung und Verteilung aufgebaut, das inzwischen international tätig ist. Dabei ist die rechtsverbindliche Anmeldung im Verein und dessen enge Zusammenarbeit mit den Behörden wie Gesundheitsämtern Voraussetzung.
In Dortmund und Hagen gibt es jeweils Gruppen von über 200 aktiven und ordnungsgemäß angemeldeten ‚Foodsavern’, die täglich Lebensmittel bei angemeldeten Märkten abholen und die Waren über so genannte Fairteiler oder im eigenen Umfeld direkt an Menschen, die sie haben möchten, kostenlos weitergeben. Fairteiler sind Schränke, Regale, Kühlschränke, Fahrradanhänger u.a., die im Stadtgebiet verteilt stehen. Man darf sich dort einfach nehmen, was man möchte und mit Freude genießen! Oder die Waren werden über eine Internetpräsenz angeboten.

Fragt man ob und wie das Verteilgut angenommen wird, ist die mit einem Lächeln versehene Antwort: „In Dortmund oder Hagen sind die Regale meist nach einer Stunde wieder leer.“

Heike Persson ist Foodsaverin in Dortmund hat für den Abend ihren Anteil (1/9) der  „Ausbeute“ einer Lebensmittelrettungsaktion auf einem Wochenmarkt in Dortmund mitgebracht.

Tisch mit geretteten Lebensmitteln

„Manchmal stehe ich weinend da und kann es nicht begreifen, wie viel wir mit neun Lebensmitteretter*innen  innerhalb von einer Stunde am Ende eines Markttages eingesammelt haben. Wären wir nicht gekommen, wären etliche Kisten Obst und Gemüse, noch brauchbarer Lebensmittel, einfach in den Müll gewandert und vernichtet worden.“

Sie steht vor voll gepackten Tischen, die ähnlich wie bei einem Erntedankfest reich beladen sind.

Heike Persson u. Marleen Krabbenhöft im Gespräch

Wenn auch in anderen Größenordnungen, so wird es mit der Notwendigkeit einer Lebensmittelrettung in Iserlohn nicht anders sein. Darum soll auch hier ein Gruppe Foodsaver*innen aufgebaut werden. Der Anfang ist gemacht. Die Internetseite foodsharing.de mit dem Bezirk Iserlohn ist eingerichtet. Wer mitmachen will, kann sich hier verbindlich anmelden. Interessen-ten aus der Christus-Kirchengemeinde sind auf jeden Fall schon da. Foodsharing-Botschafterin Marleen Krabbenhöft übernimmt zurzeit die Koordination und steht am 6 Nov. 2019 im Bürgerraum am Fritz-Kühn-Platz ab 17.00 Uhr erneut für Informationen zur Verfü-gung. Vielleicht ist die Gruppe ehrenamtlicher Retter*innen danach dann einsatzbereit.

Fotos Bernhard Laß