Hier können sie was erleben

Mit großem Erfolg findet in der Christuskirche Iserlohn-Roden seit April 2014 einmal monatlich die "Ü-Kirche" für die ganze Familie statt. Gemeinsam und überraschend anders erfahren kleine und große Leute hier die Liebe Gottes.

Volker und Cornelia Horst (vorne links) haben, genau wie alle anderen Teammitglieder und die Besucherinnen und Besucher, jedes Mal sehr viel Freude an der „Ü-Kirche", die einmal im Monat in der Christuskirche Iserlohn stattfindet.

von Tim Haacke

ISERLOHN-RODEN Mit großem Erfolg findet in der Christuskirche Iserlohn-Roden seit April 2014 einmal monatlich die „Ü-Kirche" statt. Kinder und Erwachsene bekommen hier die Möglichkeit, gemeinsam etwas zu erleben. „Kirche. Überraschend. Anders." So beschreibt die evangelische Christus-Kirchengemeinde Iserlohn die „Überraschungs-Kirche" auf ihrer Homepage und lädt die ganze Familie zu diesem Angebot ein. Und die "Ü-Kirche" hält, was sie verspricht: Kirchliche Inhalte, genauer gesagt die Liebe Gottes, werden spielerisch und spannend vermittelt. Das gemeinsame Erleben von Kindern und Erwachsenen steht dabei im Mittelpunkt und die genaue Umsetzung, die ist jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Bunte Tücher verdecken zu Beginn jeder Ü-Kirche zunächst, was genau die Besucherinnen und Besucher der Christuskirche Iserlohn-Roden dieses Mal erwarten wird. Erst nach einer kurzen Zeit des Ankommens werden die einzelnen Stationen dann enthüllt, und die Kinder können mit ihren erwachsenen Begleitern auf Entdeckungsreise gehen. Jeder Nachmittag steht dabei unter einem speziellen Motto, zuletzt lautete dieses „Weihnachten ist Party für Jesus!", und ist in drei Phasen unterteilt.

Zuerst steht die Kreativität im Vordergrund. An verschiedenen Stationen können die Teilnehmenden basteln und spielen. Jede Aktion wird durch Mitarbeitende begleitet, außerdem erklären Infozettel, was genau gemacht werden kann - und welcher Gedanke dahintersteckt, denn die Stationen haben durchaus auch einen Bezug zum Thema. So gab es bei der weihnachtlichen Ü-Kirche unter anderem einen Wickeltisch, der die Unterschiede zwischen heute und der Zeit von Jesu Geburt verdeutlichen sollte.

Der zweite Teil der Ü-Kirche besteht aus einem etwa fünfzehnminütigen Gottesdienst, der immer genau einen Aspekt der Liebe Gottes behandelt. Meistens wird dazu eine biblische Geschichte von einigen oder sogar von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufgeführt. Schließlich folgt dann ein gemeinsames Essen. Passend zum Partymotto gab es dieses Mal ein umfangreiches und leckeres Büffet. Die Idee zur Ü-Kirche hatte Cornelia Horst, inspiriert von Lucy Moore, der Gründerin der „Messy Church", mit der sie im Rahmen des Kindergottesdiensttages 2012 in Unna ins Gespräch kam. Das "Saatkorn" dieses Gesprächs trug sie etwa ein Jahr mit sich, las auch das Buch von Moore und entschied sich schließlich mit zwei anderen Frauen aus dem Mitarbeiterkreis, die Ü-Kirche ins Leben zu rufen.

Nach einem Gespräch mit einer Pfarrerin der nächstgelegenen Gemeinde, die bereits Erfahrungen mit einem solchen Konzept gemacht hatte - die Suche führte immerhin bis nach Burgdorf bei Hannover -, wurde das Vorhaben schließlich im April 2014 in die Tat umgesetzt. Dafür musste zunächst ein zuverlässiges Team gefunden werden. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten deshalb für den Anfang eine verbindliche Zusage für ein Jahr geben. Nach Ablauf des ersten Jahres wollte das komplette, etwa zwölfköpfige Team, zu dem auch Cornelias Ehemann Pfarrer Volker Horst gehört, weitermachen und so wurde die Ü-Kirche zu einer Dauereinrichtung. Nicht nur die Mitarbeitenden sind überzeugt von dem Konzept. Sondern immer wieder wird Cornelia Horst von Leuten darauf angesprochen, dass sie sehr froh über dieses Angebot sind. Etwas mit den Kindern zu erleben, statt diese nur irgendwo abzugeben, danach scheinen viele Familien zu suchen. Und nicht nur Eltern, auch ältere Geschwister, Großeltern oder Paten können teilnehmen, die einzige Voraussetzung ist die Kombination von Kind und Erwachsenem.

Eine Altersbegrenzung gibt es nicht wirklich. Aber erst ab dem Kindergartenalter haben die Kinder wirklich etwas von der Teilnahme, und ab zwölf Jahren können sie dann wiederum schon im Team mitarbeiten.

Insgesamt dauert die Ü-Kirche etwa zweieinhalb Stunden und findet einmal im Monat, freitags von 16:30 bis 19:00 Uhr statt. In der Regel nehmen jedes Mal zwischen 40 und 50 Menschen teil, viele davon kennt Cornelia Horst garnicht von anderen kirchlichen Anlässen. Das Angebot scheint also eine Lücke in der Nachfrage zu füllen und könnte somit sicherlich auch als Vorbild für andere Gemeinden dienen.

Das gemeinsame Erlebnis von Kindern und Erwachsenen steht im Mittelpunkt der verschiedenen Aktionen: ob es ums Spielen, Basteln oder Dekorieren geht (Bild links), um das Mittun bei den Kreativstationen wie hier am Wickeltisch (Bild Mitte) oder um das gemeinsame Essen zum Abschluss jeder Ü-Kirche, vorbereitet vom Küchenteam (Bild rechts).

 

Dieser Artikel erschien in "Unsere Kirche" Nr.2/2016 vom 10.01.2016

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.